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Historische Hintergründe
Das Wort Ikone stammt aus dem Griechischen eikón und bedeutet „Bild“. Die Ikonenkunst entsteht mit dem Christentum, als der Glaube bekennt, dass Gott in Jesus Christus sichtbar geworden ist. Da Christus als Bild des unsichtbaren Gottes verstanden wird, wird seine Darstellung möglich. Schon in den ersten Jahrhunderten entwickelt sich die Ikone im byzantinischen und orientalischen Raum zu einem zentralen Mittel der Glaubensverkündigung und zur Vergegenwärtigung des göttlichen Geheimnisses.
Nach langen theologischen Auseinandersetzungen und den ikonoklastischen Krisen des 8. und 9. Jahrhunderts erkennt die Ostkirche im Jahr 843 offiziell den theologischen und liturgischen Wert der Bilder an. In der Folge erfährt die Ikonographie eine weitreichende Blüte, insbesondere im byzantinischen und russischen Kulturraum. Die Wiederentdeckung der frühen Ikonen im 20. Jahrhundert hat schließlich die spirituelle Tiefe und Ausdruckskraft dieser Kunstform neu ins Bewusstsein gerückt.
Künstlerische und technische Aspekte
Eine Ikone zu malen ist keine freie künstlerische Arbeit im modernen Sinn. Man sagt oft, dass eine Ikone „geschrieben“ wird, denn sie folgt festen Regeln aus der Tradition. Und dennoch ist jede Ikone einzigartig. Nach der Grundierung der Holztafel wird das Motiv grafisch gestaltet und vorgezeichnet, anschließend folgt die Vergoldung mit Blattgold. Danach wird die Ikone von Hand nach der traditionellen Technik der Eitempera gemalt, bei der sich die Farben symbolisch vom Dunkel zum Licht entwickeln.
Die Formen sind vereinfacht und stilisiert, die Figuren wirken ruhig und friedlich und sind meist frontal dargestellt. Die Perspektive ist umgekehrt, die Farben haben eine besondere Bedeutung. Die verwendeten Materialien aus der Tier-, Pflanzen- und Mineralwelt sind ein Lob auf Gott und seine Schöpfung. Der bewusste Verzicht auf Realismus und auf natürliche Schatten zeigt, dass es nicht darum geht, die sichtbare Welt nachzuahmen, sondern eine verwandelte Wirklichkeit darzustellen, die über das menschliche Verstehen hinausgeht.
Der Ikonenmaler möchte sich nicht selbst ausdrücken und auch keine persönliche Deutung eines Ereignisses geben. Sein Ziel ist, die Botschaft des Evangeliums oder das Leben der dargestellten Person in Bildern weiterzugeben und dabei einer gemeinsamen Bildsprache treu zu bleiben, die zur inneren Betrachtung einlädt.
Spiritueller Zugang
Die Ikone ist vor allem ein Bild der Gegenwart. Im Gegensatz zum Götzenbild, das den Blick einengt und blind macht, öffnet und erhellt die Ikone den Blick: Sie lädt dazu ein, über das Sichtbare hinauszuschauen und sich für eine andere Wirklichkeit zu öffnen. In der orientalischen christlichen Tradition wird die Ikone oft als ein „Fenster zum Unsichtbaren“ beschrieben. Sie ist nicht dazu da, nur betrachtet zu werden, sondern um in Beziehung zu treten mit dem Menschen, der sie anschaut.
Mehr als ein Kunstobjekt ist die Ikone ein Gebet in Farben. Sie macht die Verbindung von Göttlichem und Menschlichem sichtbar, die durch die Menschwerdung Christi möglich geworden ist, und lädt jeden Menschen zu einem inneren Weg ein. Zeitlos wendet sie sich an alle und öffnet einen Raum der Stille, der Aufmerksamkeit und der inneren Wandlung. Sie schafft eine Verbindung zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren, zwischen dem Menschlichen und dem Göttlichen.
Persönlich bete ich für die Person, für die die Ikone bestimmt ist, oder für ein besonderes Anliegen. Ich male die Ikone mit der Absicht, dass sie ihre geistliche Tiefe und ihre innere Bedeutung an den Menschen weitergibt, der sie betrachten wird.
Du, göttlicher Herr und Künstler aller Dinge,
und ich, dein Freund,
erleuchte und leite meine Seele,
meinen Geist und mein Herz.
Führe meine Hand,
damit ich dein Bild, das Bild deiner Mutter
und das aller Heiligen
respektvoll darstellen kann,
zur Ehre, Freude
und Verschönerung deines Volkes.
Mein Gott, segne meine Bemühungen,
lass meine Arbeit
zur Erhebung meiner Seele dienen,
zur Ehre deines Namens.
Die Taube, die ein Olivenzweig hält, steht für mich für Frieden, Hoffnung und die Verbindung zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem, für den Wunsch, Dialog und Einheit zwischen Kulturen und Glaubensrichtungen zu schaffen.
Das hebräische Wort „Shalom“ (Frieden) bedeutet weit mehr als die Abwesenheit von Konflikt.
Es steht für Gleichgewicht und Harmonie. Durch die Symbole seiner hebräischen Buchstaben drückt Shalom das Gleichgewicht zwischen Feuer und Wasser aus – zwei Kräfte, die scheinbar gegensätzlich sind, sich aber in einer lebendigen Dynamik ergänzen.
Wenn wir dieses Shalom in unserem Inneren aufnehmen, können wir Harmonie in unserer Umgebung erzeugen und Frieden in die Welt strahlen lassen.
Jede Ikone, die ich schreibe bzw. male, kann als Ausdruck dieses Shalom verstanden werden.
Ein Raum, aus dem Frieden durch die Dynamik von Licht, Farbe und Blicken hervorgeht – ein Raum, der jeden einlädt, sich mit der inneren und universellen Liebe zu verbinden.